Joanna Lech
übersetzungen: Ursula Kiermeier
Entfernungen

Wenn du fortfährst, nimmst du den Sturm mit.

Plötzlich wird alles klar; ich ziehe die Vorhänge fort, will Spuren verwischen,
Bodensprenkel, Ascheschlieren, blaue Flecken. Du sagtest, es gibt kein Zurück;
da ist Rauch, keine Asche, versengte Haut brennt,

Schorf auf der ganzen Hand. Uns verraten Gestank und jenes Krümmen;
als ich uns bezeichnen will, kommen wieder Herzschmerz, Kopfschwindel.
Nochmals sitze ich an der Wand, wiederhole: Das geschieht wohl ohne mich,

Schwindelrückfall in die seltsame Krankheit, symptomatös. Gegen Morgen
noch träumte ich Kälte, von Regen und Zähnen, die das leere Zimmer übersäen,
abgezeichnet auf dem Bauch; hier wird nichts heranwachsen.



Gezeit

Wir liegen da wie Steine, also kann ich uns Ufer nennen.
Die Stille geht unter die Haut wie ins Papier, die Lider schwellen auf.
Adern platzen. Wir haben die gleichen Symptome, und einen Augenblick lang
sind wir einander nah, genauso zerschlagen, verklebt wie Sirup und bitter.
Wir ertrinken im kalten Licht; der Schmerz in den Rippen pulsiert
und verlischt. Das sind nur Schauder, Blitze an den Beugen.
Narben, die nur Haut bedeuten.

Wenn die Wärmespur nach außen dringt, erstarrt sie
wie dein Gesicht; in dem Augenblick, wenn du dich umdrehst. Und man sieht –
was in dir brütet, will nicht kleinbeigeben. Es sackt zusammen,
verfault, wird fremd; kalt wie Messer, stumpfe Rasierklingen,
verbogene Schneiden.



Striemen, Stränge

Dämmergrau belichtet die Sonne. Vor dem verglimmenden Himmel höhlt
Schnee Straßen aus und zerschneidet Neonlicht. Eis umhüllt Bordsteige;
Frost reizt die Nasenflügel.

Schau, der Tag zeichnet den Fluss erst. Verweht den Nebel,
wirft zerfetzte Fasern und Schuppen, Fischblasen ans Ufer.
In der Luft reibt sich noch Bleigeschmack, Scheiben bersten;
Knochen brechen die Erde auf wie Pflanzentriebe. Deshalb der Zerfall,
all diese Dinge schreibst du aufs Neue; tote Seen,
zerrissene Gespanne. Der Ort in mir, er geht unter der Haut auf
wie Schimmelteig. Vielleicht müssen die Stiche vernäht werden,
die Ränder zugenäht. Ehe Schorf sich zu Worten fügt,
schleift Blut die Messer. Kälte zerreißt Stränge;

schau, der Tag zeichnet den Fluss erst. Der Schmerz nach dir
vernarbt, trocknet auf dem Bauch, verblasst, verwächst.

 Fibres
Joanna Lech
fot.


Znowu pragnê ciemnej mi³o¶ci, WAB 2018


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